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Das Institut Futur unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard de Haan wurde im Jahr 2000 gegründet und ist als Arbeitsbereich Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung dem Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie der Freien Universität Berlin zugeordnet.


Unsere Forschungsaktivitäten liegen in den Bereichen der Entwicklung von Zukunftsszenarien (z.B. zum Bildungssystem), der Bildung für nachhaltige Entwicklung, der Analyse von Auswirkungen einer Wissensgesellschaft (z.B. auf die Bildungspolitik und Bildungsökonomie), der Untersuchung von Innovationstransfer und Wissen sowie der subjektorientierten Zukunfts- und Unsicherheitsforschung. Unsere zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten in diesen Bereichen werden von BMBF, DBU, EU, gefördert.


Die Forschungsschwerpunkte des Instituts liegen im Mittelpunkt einer Triade mit den Eckpunkten „Zukunft“, „Wissen(stransfer)“ und „Unsicherheit“..
Zukunft wird hierbei sowohl aus objektiver wie aus subjektiver Perspektive betrachtet. Durch den Einsatz von „Delphi-Methode“ und „Szenario-Methode“ werden wissenschaftlich fundiert denkbare Zukünfte entwickelt. Für die schon heute erfolgreiche Vorbereitung auf die Zukunft ist es von hoher Bedeutung, die Bedingungen des Transfers von innovativem Wissen zu kennen und in Transferprozessen zu berücksichtigen. Hierzu fokussieren wir in unserer Forschung auf theoretische und empirische Modelle der Diffusion von (sozialen) Innovationen. Zukunft ist aus individueller Perspektive zumeist mit Unsicherheit und Risiko verbunden, denn mögliche Entwicklungen sind komplex und unvollständig hinsichtlich des Wissens um die Faktoren, die ihre Entwicklung beeinflussen. Aus diesem Grunde sind Gesellschaften, Organisationen und Individuen aufgefordert, auf der Basis individueller, sozialer und gesellschaftlicher Ressourcen mit diesen Herausforderungen umzugehen. Im Arbeitsbereich wird zu Herausforderungen und Wagnissen mit qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung gearbeitet.


Institut Futur setzt die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis um: In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung werden zwei große Projekte in den Bereichen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (bis August 2008) und „Demokratie lernen und leben“ (bis März 2007) durchgeführt.


Ausgestattet mit einem jährlichen Forschungsbudget von ca. 900.000 Euro werden insgesamt etwa 40 akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard de Haan beschäftigt.


Dies ist die neue Internetpräsenz des Arbeitsbereiches Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin.

Unsere "alte" Seite service-umweltbildung.de ist seit November 2004 nicht mehr aktiv.


 
 
  top Einführung in die Zukunftsforschung    
 

Zukunftsforschung im Bildungsbereich
Dass sich Pädagogik mit Zukunft befasst, scheint so selbstverständlich wie die Schulpflicht zu sein. Schaut man aber genauer hin, dann ist es erstaunlich, wie wenig „Zukunft“ Thema im Unterricht – selbst in der außerschulischen und informellen Bildung – ist. Immer noch gilt die alte Irritation: Erziehung und Bildung gewinnen ihre Inhalte aus der Vergangenheit, finden in der Gegenwart statt und sollen doch auf Zukunft ausgerichtet sein.
Mit der Diskussion um die Agenda 21, dem Zukunftsplan für das 21. Jahrhundert, hat sich daran grundlegend etwas geändert. Denn mit der Agenda 21 wird die Bedeutung von Bildung für die zukünftige Entwicklung wie nie zuvor herausgestellt.

Warum erlebt der Begriff „Zukunft“ in den letzten Jahren eine dermaßen starke Konjunktur?
Zukunftsfragen stehen immer dann auf der Agenda, wenn sich Gesellschaften in ihren Entwicklungsprozessen dynamisieren. Man kann das an den Zyklen ablesen, in denen Utopien entworfen wurden. Jules Verne und der technologische Umbruch hin zur Industriegesellschaft ist ebenso ein Beispiel dafür wie Ossip K. Flechtheims Konzept einer „Futurologie“ in den gesellschaftlichen Umbruchzeiten der 1960er Jahre. Heute erleben wir eine rasante Dynamik im Kontext neuer Technologien, von Globalisierungsprozessen, neuen Medien und der Biotechnologie. Das führt zu Unsicherheiten und Ungewissheiten in der Gesellschaft. Wen wundert es da, dass man sich fragt, wie die Zukunft wohl aussehen mag und wie man sich darauf vorbereiten kann.

Was hat das mit Zukunftsforschung zu tun?
Derzeit erleben wir einen Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Immer weniger sind es die Faktoren Arbeit, Kapital und Boden, die eine Bedeutung für Innovationen haben. Immer stärker ist es der Faktor Wissen. Alle neu auf den Markt gebrachten Produkte sind von ihrem Preis her zu 80 % durch das eingeflossene Wissen bestimmt. Wissen, verstanden als „etwas in Gang setzen können“ (N. Stehr), muss aber erlernt werden. Wo es nun ums Lernen, um Konzeptionen der Wissensaneignung und um die Inhalte eines zukunftsfähigen Wissens geht, dort ist die Erziehungswissenschaft gefragt. Sie kann es sich nicht mehr leisten, ihre Inhalte und Konzepte aus der Vergangenheit oder dem gegenwärtigen Stand der Gesellschaft herzuleiten, sondern wird von der Zukunft her Bildungssysteme, Inhalte, Methoden und Zielsetzungen entwickeln müssen. Das ist das Feld einer erziehungswissenschaftlichen Zukunftsforschung.

Warum sollte man sich in der Schule mit „Zukunft“ auseinandersetzen?
Man könnte auf diese Frage einfach antworten: „Zukunft ist die genuine Kategorie der Pädagogik“ (K. Mollenhauer). Diese Antwort gilt allerdings schon seit man über pädagogische Konzeptionen der Neuzeit nachdenkt. Wir stehen heute vor einer gänzlich neuen Situation. Zukunft sollte nicht etwas sein, das auf einen zukommt, sondern etwas, was man mit gestalten kann. Dazu hat das Bildungssystem bisher ausgesprochen wenig beigetragen. Es konzentrierte sich auf Anpassungsleistungen und die Befähigung, in der bestehenden Gesellschaft aktiv werden zu können. Wenn in Zukunft aber alles von Wissen und den Leistungsfähigkeiten des Einzelnen abhängt, dann sind Anpassung und Integration keine angemessene Kategorie mehr. Dann kommt es darauf an, die Zukunft gemeinsam mit anderen so gestalten zu können, wie man dieses selbst für richtig hält. Das aber setzt voraus, überhaupt eine Idee von möglichen Zukünften zur Verfügung zu haben, sich also im Rahmen von Szenarien, Projektionen etc. mit denkbaren, wünschbaren und machbaren Zukünften und der eigenen Position darin zu befassen. Dieses kann noch am ehesten im schulischen Bereich geschehen, da Schule den Vorteil hat, alle jungen Menschen in der Gesellschaft zu erreichen.

Wie lässt sich Zukunftsforschung in die bestehenden Lehrpläne integrieren?
Darauf ist nur schwer eine generelle Antwort zu geben. In manchen Lehrplänen sind Zukunftsfragen ausdrücklich angesprochen. In anderen wiederum lässt sich das Thema gut verankern, wenn man die impliziten Chancen nutzt. Eine Informationstechnologische Grundbildung, wie sie manchmal schon formuliert ist, kann man kaum auf das Lernen des Umgangs mit Computern beschränken wollen. Da wird man auch einen Ausblick auf künftige Entwicklungen – etwa der nächsten 20 Jahre machen müssen. Sich über die Weltwirtschaft zu verständigen, ohne die individuellen und sozialen Konsequenzen der Globalisierung in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit zu bedenken, ist kaum ein zukunftsresistentes Lernen. Damit ist gemeint: Es kommt darauf an, die vorhandenen Ansätze in den Lehrplänen so zu nutzen, dass man sie um den Blick aus der Zukunft zurück auf die Gegenwart anreichert.

Bei dem hier vorgestellten Text handelt es sich um Auszüge eines Interviews mit Prof. de Haan in der Zeitschrift "21 - Das Leben gestalten Lernen". Die entsprechende Ausgabe 1/2002 hatte "Zukunft" als zentrales Thema. Das ausführlichere Interview gibt es auch zum Download.